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Zum 90.Geburtstag von Heiner Müller
von Hartmut Reinsberg
Am 9. Januar 2019 hätte Heiner Müller seinen 90. Geburtstag gefeiert. Er verstarb jedoch bereits im Alter von 66 Jahren am 30.12.1995.

Heiner Müller stammte aus dem sächsischen Eppendorf und zog 1933 mit seiner Mutter nach Bräunsdorf, wo er die Bräunsdorfer Grundschule besuchte. Seine damaligen Klassenkameraden erinnern sich noch gut an ihren Mitschüler. Da über die Kindheit des später recht bekannten Mannes wenig bekannt war, kam sein Bruder Wolfgang Müller aus Brandenburg auf die Idee, diese Lücke im Leben des Schriftstellers zu schließen. Er nahm mit den früheren Mitschülern Kontakt auf und organisierte ein Treffen in der Bräunsdorfer Schule. Wolfgang Müller hielt alle Stationen aus der Kindheit seines Bruders in einem Film fest. Es war interessant zu erfahren, dass der spätere bekannte Dramatiker damals ein bescheidener Junge war. Wenig bekannt ist auch, dass im Geburtenregister nicht Heiner, sondern Raymund stand. Doch schon als Kind lehnte er seinen Vornamen ab und nannte sich Heiner, was seine Eltern schließlich akzeptierten. Hier zeigte sich eine charakterliche Besonderheit, die sein späteres Wirken prägte: Er beschritt prinzipiell seine eigenen Wege. Zeitgenossen bezeichneten ihn auch als interessanten Querdenker und Intellektuellen, dessen eigensinnige Ansichten immer wieder für Verblüffung sorgten. Eine davon wurde von Roland Mischke genannt, der wusste, dass sich Müller dazu hinreißen ließ, zu behaupten, dass bereits mit der Schlacht von Stalingrad das Ende der DDR besiegelt war. Wenn man nüchtern bedenkt, dass in den Kriegsjahren 1942 und 1943 noch niemand ahnen konnte, dass es 1949 einmal eine DDR geben würde, dann sind solche Ansichten gewaltige Gedankensprünge. Sein kritisches Schaffen machte ihn bei den Machthabern nicht gerade beliebt und er wurde aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen. Mit solchen Gegebenheiten konnte er leben und er blieb auch später bei all den Repressalien bei seinen Auffassungen und Ansichten, die sich in seinen zahlreichen Werken wie z. B. „Der Lohndrücker”, „Zement”, „Die Schlacht”, „Die Hamletmaschine”, „Der Auftrag”, „Die Umsiedlerin” und einer Gedichtsammlung von 1949 bis 1991 widerspiegeln. Er blieb sich in seinem Schaffen mit seiner kritischen, zum Teil zynischen, aber auch genialen Sicht der Dinge treu und erntete letztendlich weltweit Erfolge und Anerkennung. In dieser Hinsicht teilte er das Schicksal des ebenfalls berühmten Dramatikers Bertolt Brecht. Erwähnenswert ist außerdem, dass die nach der Wende veröffentlichte Autobiografie „Krieg ohne Schlacht“ zu dem meistgelesenen Buch des Autors wurde.
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Text und Layout: AG Chronik Bräunsdorf