Die Obere Dorfstraße
Die Obere Dorfstraße, die nach Oberfrohna führt, hieß früher Bräunsdorfer Weg. Kurz nach
dem ehemaligen Lebensmittelgeschäft von Georg Käferstein (Obere Dorfstraße 40) bog dieser
Weg nach rechts ab, führte als Furt durch den Dorfbach und verlief hinter den heutigen
Anwesen Obere Dorfstraße 46, 52 und 60 an der Nordseite des Gemeindewaldes entlang zur
Kaufunger Straße in Oberfrohna. Der Straßenverlauf (hier blau markiert) ist auf einer alten
Landkarte von 1800 gut zu erkennen. Es handelte sich jedoch um einen mehr oder weniger
befestigten Feldweg. Bereits 1865 hatten die Anwohner einen Ausbau verlangt. Dieser wurde
vom Gemeinderat jedoch immer wieder zurückgewiesen. Der Grund war vermutlich das eingetragene
Wegerecht für einen Großteil des Weges zugunsten des Gutsbesitzers Gustav Vogel.
Der Verlauf der Obere Dorfstraße
Quelle: unbekannt
Vom ehemaligen Lebensmittelgeschäft Käferstein aus führte viele Jahre später ein schmaler Fußweg
geradeaus bis zum Landwirt Rudolph (heute Obere Dorfstraße 45); auf dessen ehemaligen Feldern
befinden sich heute die Anwesen „Siedlergrund“. Die Flächen der heutigen Oberfrohnaer Siedlung
gab es damals noch nicht und sie waren weitestgehend bewaldet.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein „Trampelpfad” über die Grundstücke von Rudolph und
Kühnrich zur Kaufunger Straße nach Oberfrohna. Der Landwirt wollte dies unterbinden. Das führte
1899 zu einer Strafandrohung durch die Königliche Amtshauptmannschaft in Chemnitz. Die Behörden
waren der Meinung, dies sei ein öffentlicher Fußweg. Am 1. März 1900 kam es in „Müllers Restaurant“
(später „Gasthaus zur Post“, heute Untere Dorfstraße 31) zu einer öffentlichen Erörterung.
Am 4. August 1900 fällte die Amtshauptmannschaft den Beschluss, dass der betreffende Weg die
Eigenschaft eines öffentlichen Fußwegs habe.
Die Obere Dorfstraße 1938
Quelle: Christian Ernst
In den folgenden Jahren versuchte die Gemeinde Bräunsdorf, die Gemeinde Oberfrohna für einen Ausbau
und eine Verlängerung dieses Weges bis zur damaligen Bräunsdorfer Straße – heute Oberfrohnaer Straße –
zu gewinnen. Dieser Wunsch wurde jedoch lange abgelehnt.
Die Anwohner des oberen Teils des Bräunsdorfer Wegs wünschten sich jedoch bald, den schmalen
öffentlichen Feldweg zu verbreitern und auszubauen. Da die Gemeindekasse jedoch „klamm“ war, wurden
die Anlieger zu einer Spende aufgerufen. In der entsprechenden Liste im Stadtarchiv sind alle Spender
aufgeführt. Der Erlös betrug 655,00 Mark. Mit diesem Geld und vielen Eigenleistungen der Anwohner
- insbesondere der Landwirte - wurde der Fußweg zu einem befahrbaren Weg bis zur Ortsgrenze nach
Oberfrohna ausgebaut. Dieser Zustand blieb viele Jahrzehnte so bestehen, wie das Foto von 1938 zeigt.
Text und Layout: AG Chronik Bräunsdorf