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Horst Strohbach
Herr Dr. Harald Strohbach ist der Sohn des im Limbacher Landes bekannten Lehrers und Heimatforschers Horst Strohbach. Er lebt heute in Potsdam. Das Gespräch führte Dr. Eichler am 10. März 1992.

FRAGE: Herr Dr. Strohbach, wo wohnte ihre Familie und wie nahmen Sie die Tätigkeit ihres Vaters war?

Dr. Strobach: Wir wohnten seit dem Jahre 1910 in Oberfrohna auf der Schröderstraße 6, I. Etage, bei Bäckermeister Lunkwitz im Haus. Mein Vater war Volksschullehrer. In unserem Haus wohnte nebenan noch ein weiterer Lehrer, Herr Arthur Münch. Nur wenige Leute wissen heute noch, dass er ein bekannter Paläobiologe war. Soweit ich mich erinnere, war er auch international bekannt und geachtet. Mein Vater besaß ein von ihm verfasstes Buch.Mein Vater war aufgrund seiner ausgezeichneten Ausbildung am Sächsischen Lehrerseminar in Zschopau ein allseitig gebildeter Mensch. Sein ganzes Können setzte er alle Zeit für eine vielseitige Erziehung junger Menschen ein. Seine besonderen Aufmerksamkeiten galten den Pflanzen und den Tieren, dem Malen und Zeichnen, der Literatur, Kunst und Musik. Er malte und zeichnete sehr oft und spielte selbst Geige, Klavier und auch Orgel. Eine besondere Vorliebe galt der Heimatkunde. Er lauschte den Erzählungen alter Menschen und sammelte vieles aus ihren Erinnerungen. Besonders gern wanderte er mit der Familie, mit Schulkindern oder auch mit Freunden. Meines Vaters große Interessen für Heimatgeschichte stimmten voll mit denen seines Schwiegervaters, meines Großvaters mütterlicherseits, Arthur Beil überein. Dieser war auch Lehrer gewesen. Von ihm stammen, die u.a. Arbeiten zur Geschichte von Penig (Mulde), Chursdorf, Burgstädt und Taucha und zur ehemaligen Burg Drachenfels, wo er auch Ausgrabungen vornahm. Neben beruflichen Gemeinsamkeiten verbanden Vater und Großvater das besondere Interesse für die engere Heimatgeschichte und auch Biologie. Mein Vater war vor 1930 Mitglied des Leipziger Lehrervereins, zeitweise übte er das Amt des Vorsitzenden in Limbach aus. Er unterhielt ständig Kontakte zur Leipziger Universität. Bekannte Wissenschaftler arbeiteten dort als Volkskundler. Von diesen erhielt er u.a. Fragebögen für historisch-soziologische Untersuchungen in den Orten unserer Umgebung für einen geplanten Volkskunde-Atlas. Mein Vater war, wie alle sächsischen Lehrer vor 1919 Reserveoffizier. Am I. Weltkrieg musste er von Anfang an teilnehmen, wurde in Frankreich verundet und kam dann 1915 nach Russland. Krankgeworden war er am Ende des I. Weltkrieges im Reserve-Lazarett in Döbeln. Nach seiner Rückkehr aus dem Kriege war er Pazifist und nach 1919 konsequenter Demokrat. So hatten wir zu Hause in meiner Kindheit keinerlei Kriegsspielzeug, dafür aber sehr viel anderes sehr oft selbstgebasteltes, so u.a. zwei Puppentheater und Karussells. Über seinem Schreibtisch hing ein Bild von Friedrich Ebert. Die Auseinandersetzung mit dem heraufziehenden Faschismus durchzog auch unsere Familie und spaltete sie. Mein Vater war wurde 1933 von dem Nazis vor den Augen seiner Schulkinder verhaftet und 1934 aus dem Schuldienst entlassen, obwohl er keiner politischen Partei angehörte. Er war ein Anhänger der Weimarer Republik und als solcher führendes Mitglied im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Sein Einsatz für die Bewahrung dieser Demokratischen Republik resultierte nicht zuletzt aus seinem Eintreten für die allgemeine Schulbildung aller Kinder des Volkes.
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Chronik Bräunsdorf
Quelle: Horst Strohbach
In den Jahren 1934 - 1943/44 schrieb mein Vater nicht nur die bekannten Chronika von Oberfrohna, Bräunsdorf, Niederfrohna/Jahnsohn und Mittelfrohna/Fichtigstal, die im Selbstverlag entstanden und noch heute bekannt sind. Er schrieb auch die Chronika von Pleißa, Kändler, Röhrsdorf, Wüstenbrand und Grüna. Diese Arbeiten existieren nur in einem Exemplar und legen, außer der von Grüna bei den jeweiligen Räten der Gemeinden. Die Grünaer Chronik befindet sich im Stadtarchiv der Stadt Chemnitz. Gegen Ende des II. Weltkrieges war mein Vater ab 1944 Lazaretthelfer in Oberfrohna in der Schule. Im Mai 1945 erhielt er von den antifaschistisch-demokratischen Kräften in Oberfrohna den Auftrag die Oberfrohnaer Schule wieder zu beleben, d.h. den Schulunterricht wieder aufzunehmen. Im Jahre 1945 traten mein Vater und meine Mutter in die SPD ein. Anfang des Jahres 1946 gründete Vater den Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Oberfrohna, wo ich mit zugegen war. Mein Vater lernte im Laufe der Erforschung unserer eigenen Familiengeschichte und seiner historischen Studien fast alle Pfarrer der Umgebung kennen. An herzliche Gespräche meines Vaters mit Pfarrer Hänsch aus Niederfrohna erinnere ich mich noch.

FRAGE: Wie entstanden die bekannten Chronika Ihres Vaters:

Dr. Strohbach: Das Material zu diesen Arbeiten trug mein Vater aus vielen persönlichen Gesprächen in den Orten, Studien in den Kirchenbüchern sowie Akten der verschiedenen staatlichen Archive und Dokumenten aus privatem Besitz zusammen. Die Herausgabe erfolgte im Eigenverlag. In Burgstädt wurden die Schreibmaschinenseiten geschrieben, dort vom Vater korrigiert und in einem Wachsmatrizen-Verfahren vervielfältigt und sodann bei uns zu Hause seitenweise sortiert und zusammengenagelt. Die Kartonagenfabrik Uhle in Oberfrohna lieferte uns die Deckblätter und andere Kartonagen. Vor Beginn dieser Arbeiten zur Herausgabe der Bücher zogen wir, Vater und auch wir jüngeren Kinder, von Haus zu Haus mit Einschreibelisten zur Bestellung. Nach der Fertigstellung lieferten wir, mit dem Handwagen, die in Seidenpapier eingewickelten Chronika den Bestellern aus und kassierten den Preis. Mit dem Handwagen. voll Bücher fuhren wir auch bis nach Niederfrohna und Bräunsdorf. Mir ist innerlich, daß mein Vater bei einem Bauern im Jahnshorn eine Art Zwischenlager hatte.
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Horst Strohbach
Quelle: Andreas Eichler
FRAGE: Herr Dr. Strohbach, in welcher Reihenfolge erarbeitete Ihr Vater seine wichtigsten Schriften?

Dr. Strohbach: Die allererste Arbeit meines Vaters war eine Mappe mit Zeichnungen von Rochsburg und einer inneliegenden kurzen Abhandlung über die Herrschaft Schönburg. Diese vom Vater stammenden Zeichnungen wurden mit Hilfe spezieller Metallgriffel und -rädchen, ähnlich wie Federzeichnungen auf Wachsmatritzen übertragen und dann abgezogen. Seine zweite Arbeit war die Chronik von Oberfrohna, der dann die Chronika von Bräunsdorf, von Niederfrohna/Jahnshorn und von Mittelfrohna/Fichtigstahl folgten. Neben den anderen folgenden Einzelchronika für Pleißa und die anderen Orte, folgte ein erster großer Höhepunkt in der Tätigkeit meines Vaters als Heimatforscher mit der Bearbeitung des Grundmanuskriptes für das Buch „Limbacher Land“ im Rahmen der Publikationsreihe „Werte deutscher Heimat“ im Akademieverlag 1962.

FRAGE: Hatte Ihr Vater Kontakt mit anderen Heimatforschern des Limbacher Landes?

Dr. Strohbach: Mein Vater hatte bereits vor 1933 Kontakte zu seinem ehrenwerten Kollegen Oberlehrer Paul Fritsching. Dieser leitete damals das kleine Heimatmuseum im Keller der Pestalozzi-Schule in Limbach. Auch mit anderen Heimatfreunden war er später in engen Kontakt, so zum Beispiel mit Herrn Weber, Herrn Fritzsching jun., sowie mit Herrn Petzold. Desweiteren hatte er enge Verbindungen zum Startarchiv Chemnitz, so zu den Herren Dr. Barth, Dr. Richter und auch zu Herrn Lorenz in Annaberg-Buchholz. Nach dem II. Weltkrieg gab der Kreisverband Limbach-Oberfrohnan des Kulturbundes, später mit Unterstützung des Bezirksverbandes, die kleine Monatszeitschrift „Kultur und Heimat“ mit zahlreichen Beiträgen meines Vaters, in den 50er Jahren heraus. Mein Vater hatte aber, neben Verbindungen zu Persönlichkeiten der Sächsischen Heimatgeschichte in Dresden und Leipzig, auch Kontakt nach Japan. Ein japanischer Professor, der zur Geschichte des Entstehens der Sächsischen Industrie arbeitete, wurde vom sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden an meinen Vater vermittelt. Zwischen beiden kam es auch zu einer persönlichen Begegnung im Chemnitzer Stadtarchiv bzw. in Grüna, wo meine Eltern im Feierabend- und Pflegeheim Grüna lebten.

FRAGE: Welche Erinnerungen haben Sie an die Zeit, als Ihr Vater die Oberfrohnaer Schule neu aufbaute?

Dr. Strohbach: In dieser Zeit war ich nur noch kurz in Oberfrohna. Berufliche Aufgaben führten mich weg. Ich erinnere mich noch daran, daß mein Vater viele junge Menschen an die Schule holte und zu Neulehrern ausbildete und daß später die Namensverleihung „Gerhard-Hauptmann-Schule“ (Die Schule trug vordem den Namen Hindenburg -ae) ihn sehr erfreude. Gerhart Hauptmann war eine Art Leitbild für viele Vertreter seiner Generation. Er hat nach seinen eigenen Aussagen auch die „Gerhart-Hauptmann-Eiche“ vor der Schule mitgepflanzt.
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Gerhart-Hauptmann-Oberschule
Quelle: Webseite GHOS
Insgeheim liebäugelte mein Vater vielleicht auch mit der Dramatik. So schrieb er u.a. zwei Romane und in den 50er Jahren sogar ein Theaterstück zur Geschichte der Stadt Penig/Mulde, das vom Mitteldeutschen Verlag Halle herausgegeben wurde. Auch zahlreiche Sagen und Geschichten der näheren Heimat wurden von ihm gesammelt, dazu malte er selbst Bilder und schrieb zahlreiche Kinder-Auszählreime aus den Erzählungen ältere Bürger auf. Drei Hefte zu Sagen der Umgebung Limbach-Oberfrohna, die von Vater zusammengestellt und erzählt wurden gab die Schulbehörde Chemnitz nach 1945 als offizielle Lesebücher für Heimatkunde heraus. Weiterhin existieren von ihm zahlreiche Zeichnungen und Bilder der engeren Heimat, seltener Pflanzen im Totenstein-Gebiet und viele Federzeichnungen.

FRAGE: Gibt es eine Art Hauptwerk Ihres Vaters?

Dr. Strohbach: Auf diese Frage kann ich nur Antworten: Es besteht in einer einzigartigen handgeschriebenen „Chronik des Mulden-Chemnitz-Dreieckes“ im Untertitel mit den Namen „Im Gaue Cutizi unweit des Chemnitz-Flusses“. Neben Limbach und Oberfrohna sind in dieser dreibändigen, auf 2000 Seiten mit Gänsekiel handgeschriebenen Chronik, mit zahlreichen Federzeichnungen, auch weitere heimatkundliche Aspekte berücksichtigt. Einige weitere Städte, darunter Burgstädt, Hohenstein, Lunzenau, Penig, Waldenburg, Chemnitz und nicht weniger als 77 Dörfer wurden von ihm bearbeitet. Diese einmalige Chronik, sowie sein gesamter wissenschaftlicher Nachlaß werden im Stadtarchiv Chemnitz aufbewahrt.

Weitere Quellen:
Heimatblatt 11/1993, Seite 16
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Text und Layout: AG Chronik Bräunsdorf