Turnhallen in Bräunsdorf
Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Deutschland eine organisierte Sportbewegung.
„Turnvater“ Jahn gab dieser Bewegung entscheidende Impulse. Auch in Bräunsdorf bildeten
sich zwei Sportvereine. Der Turnverein 1880 und der Radfahrerverein 1907. Der Turnverein
errichtete auf einer Wiese oberhalb der Fleischerei Landgraf eine hölzerne Sportbaracke.
Dies war die erste „Turnhalle“ in Bräunsdorf.
Turnhalle des Turnvereins im Bau (li.) und fertig (re. ob.)
Quelle: unbekannt
Die Politisierung des Sports in der Weimarer Republik führte auch in Bräunsdorf leider zur
Spaltung der Sportler. So entstanden der Arbeitersportverein „Zentralverein für Spiel und
Sport“ und der bürgerliche Turnverein „Turnverein Bräunsdorf e. V.“. Im Jahr 1928 beräumten
die Mitglieder des Arbeitersportvereins das Gelände gegenüber der neuen Schule. Dort befanden
sich noch die Überreste eines alten Vierseitenhofs der Familie Esche. Sie bauten die Sportbaracke
am alten Standort ab und errichteten sie an dieser Stelle wieder.
Turnhalle des „Zentralverein für Spiel und Sport“ im Bau
Quelle: unbekannt
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Mai 1933 wurde das Vermögen
„marxistischer Vereine“ wie des „Zentralvereins für Sport und Spiel“ und des Radfahrervereins
„Edelweiß“ in Bräunsdorf eingezogen und das Grundstück verkauft. 1936 entstanden auf dem
Gelände zwei Eigenheime. Die Baracke wurde abgerissen und nach Niederfrohna verkauft.
Enteignungsdokument 1933
Quelle: Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna
Der Bürgerliche Turnverein errichtete auf der Wiese unterhalb von Kochs Holz an der Oberfohnaer
Straße eine massive Turnhalle. Geplant war auch ein Anbau an der Südseite der Halle mit einer
Sportlergaststätte, einer Wohnung für den Gastwirt, einer Wohnung für den Hallenmeister und
sanitären Anlagen. Aus Kostengründen konnte dieser Anbau jedoch nicht realisiert werden.
Richtfest
Quelle: Curt Müller
An der Nordseite der Halle wurde stattdessen lediglich ein hölzerner Anbau mit zwei Toiletten
errichtet. Später wurde ein weiterer Anbau in Leichtbauweise hinzugefügt, in dem sich die
Sanitärräume und der Umkleideraum befinden. Zur Beheizung dienten zwei große Gasradiatoren an der
Stirnseite der Halle und im Umkleideraum. 1926 wurde die Turnhalle eingeweiht.
Bauarbeiten des bürgerlichen Sportvereins am Sportplatz
Quelle: Dietrich Sachse
In den folgenden Jahrzehnten wurde die Turnhalle von den Sportvereinen und der Schule genutzt und
lediglich kleinere Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt. Im Jahr 1977 kam das Thema „Turnhallenanbau”
erneut im Gemeinderat zur Sprache und im Ergebnis ein Entwurf beim Stadtbaumeister in Auftrag gegeben.
Dieser sah zwei Wohnungen, eine Gaststätte und eine Kegelbahn vor. Auch dieser Anbau konnte
aus Kostengründen nicht realisiert werden.
Entwurf Turhallenanbau 1977
Quelle: Stadtarchiv Limbach-Oberfrohna
Anfang der 1980er Jahre wurde der alte Sanitärtrakt an der Nordseite abgerissen und durch
einen massiven Neubau ersetzt. Nach der Eingemeindung nach Limbach-Oberfrohna erfolgten
weitere umfassende Sanierungen. So wurde beispielsweise 2004 der neue Sanitäranbau übergeben.
Die Turnhalle 1995
Quelle: Curt Müller
Weitere Quellen:
Reinsberg, Hartmut
Die
Turnhallen in Bräunsdorf
Text und Layout: AG Chronik Bräunsdorf